Hausarzt mit Telemedizin (HaT)

Die Zahl der Hausärzte verringert sich drastisch, im Gegenzug steigt der Behandlungsbedarf stetig an.
Insbesondere in ländlichen Gebieten ist festzustellen, dass die hausärztliche Versorgung immer schwieriger wird. Der Altersdurchschnitt der Hausärzte im Landkreis Osnabrück beträgt momentan 53,9 Jahre. Zudem wird es immer schwieriger eine Praxisnachfolge auf dem Land zu finden.

Anlässlich dieser Probleme wurde das Modellprojekt „Hausarzt mit Telemedizin“ entwickelt, in dem bis zu fünf Hausarztpraxen mit telemedizinischen Equipment ausgestattet und dessen Einsatz modellhaft erprobt wurde. Die teilnehmenden Hausarztpraxen verteilten sich jeweils auf die Stadt (2 Praxen) und den Landkreis Osnabrück (3 Praxen).

Die mitwirkenden VERAHs/ NäPas der Praxen wurden zu „TeleVERAHs“ fortgebildet und gemeinsam mit den Ärzt*innen für den Einsatz mit telemedizinischer Technik geschult. So können diese mit der Unterstützung des telemedizinischen Instrumentariums selbstständig Hausbesuche durchführen. Im Alltag der Hausarztpraxis wird ein „Telerucksack“ verwendet, der neben den verschiedenen Geräten wie bspw. einem Blutdruckmessgerät, auch ein Tablet beinhaltet.

Über das Tablet ist es den TeleVERAHs möglich die erhobenen Befunde direkt an die Praxis zu übermitteln. Bei Bedarf kann mit der/dem behandelnden Ärztin/Arzt ein Konsil über eine gesicherte Videokonferenz-Schaltung abgehalten werden. Es findet demnach eine direkte Kommunikation statt, bei der alle drei Parteien: Ärztin/Arzt, TeleVERAH und Patient*in gleichzeitig anwesend sein können.

Mehrnutzen des Projekts

Das Projekt „Hausarzt mit Telemedizin (HaT)“ vereint einen Mehrnutzen für alle Beteiligten – Ärzt*innen, TeleVERAHs und Patient*innen.

Zunächst ermöglicht „HaT“ durch den Einsatz telemedizinscher Leistungen, dass Ärztinnen und Ärzte von Hausbesuchen, die an die zuständige TeleVERAH delegiert werden, entlastet werden. Dementsprechend werden unnötige Wege zu Hausbesuchen für Ärzt*innen vermieden. Nichtsdestotrotz ist die Ärztin/der Arzt immer vor Ort, denn durch das Monitoring über das Tablet können unklare Befunde sofort geklärt und unnötige Einweisungen ins Krankenhaus verhindert werden. Die Ärztin/der Arzt verliert also nicht den Patientenkontakt, sondern vielmehr wird die Reichweite medizinischer Versorgung erhöht.

Die am Projekt beteiligten TeleVERAHs können ebenfalls einen Nutzen aus „HaT“ ziehen. Im Zuge der Nachwuchsgewinnung in nicht-ärztlichen Heilberufen ist die Weiterbildung der MFA zur VERAH/ NäPa bzw. dann zur TeleVERAH als eine Berufsaufwertung zu verstehen. Die VERAH/ NäPa gewinnt durch delegierte Hausbesuche mehr Zeit am jeweiligen Patienten und übernimmt Verantwortung am Behandlungsprozess.

Auch Patientinnen und Patienten profitieren vom Projekt  „HaT“. Durch die „gewonnene“ Zeit, die die Ärztin/der Arzt nicht zu Hausbesuchen rausfahren muss, kann anderweitig genutzt werden. Beispielweise könnte die Hausbesuchsdichte durch die VERAH erhöht werden und Patientinnen und Patienten öfter Kontakt mit der zuständigen Hausarztpraxis haben. Eine weitere Möglichkeit ist die Zeit innerhalb der Praxis, welche in Patientinnen und Patienten durch mehr Sprechzeiten investiert werden könnte.

Außerdem wird die Patientensicherheit durch „HaT“ erhöht. Hochbetagte, multimorbide Patientinnen und Patienten müssen nicht mehr die Reise in die Hausarztpraxis auf sich nehmen und kommen so auch nicht in Berührung mit anderen, erkrankten Patient*innen, die im Wartezimmer der jeweiligen Praxis sitzen. Für demente Patientinnen und Patienten ist der Transport in die Praxis und das Verlassen des gewohnten Umfelds eine hohe Belastung, die durch „HaT“ vermieden werden kann.

Ziel des Projekts

Ziel dieses Projektes ist eine bessere hausärztliche Versorgung in den ländlichen Regionen für chronisch Erkrankte, hochbetagte und immobile Patient*innen. Zusätzlich soll gezeigt werden, wie die medizinische Grundversorgung sichergestellt werden kann, wenn sich immer mehr Ärztinnen und Ärzte aus dem Land zurückziehen und der Bedarf der Gesundheitsleistungen, aufgrund des demografischen Wandels, immer weiter ansteigt. Mit hochschulischer Beteiligung soll erprobt werden, wie künftig die Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen gesichert, Anamnesen, Monitoring-Daten, Verordnungen, Dokumentationen und Informationen sektorübergreifend generiert und zugänglich gemacht werden können.