eMedCare Emsland Osnabrück - digitale Brücke zwischen Hausarzt und Pflege

Der demografische Wandel stellt Medizin und Pflege bei Betrachtung der gesundheitlichen  Versorgung vor größer werdende Herausforderungen, um weiterhin eine flächendeckende und gesicherte, gesundheitliche Leistungserbringung zu gewährleisten.
Hochbetagte, multimorbide Menschen bedürfen einer medizinisch und pflegerischen Versorgung bzw. Betreuung, die im Laufe der nächsten Jahre wachsen wird. Dahingegen nimmt jedoch der Fachkräftemangel in beiden Bereichen, Medizin und Pflege, ebenso zu. Um der Entwicklung zwischen Angebot und Nachfrage entgegenzuwirken, wurde das Projekt „eMedCare“ ins Leben gerufen.

Das Projekt „eMedCare“ soll die Schnittstelle zwischen ärztlicher und pflegerischer Versorgung von älter werdenden Menschen mit Pflegeeinstufung neu und besser gestalten und die Akteure Hausarzt und Pflegeeinrichtungen/ -dienste besser vernetzen.

Ideenwerkstatt und Ziele

Die Kernidee des Projekts eMedCare ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen Hausarzt und Pflegekräften. Hierfür bedarf es einer besonderen Schnittstellengestaltung zwischen der pflegerischen und ärztlichen Versorgung. Konkret soll im Projektzeitraum von Juni 2018 bis Dezember 2019 unter Beteiligung von Hausärzten, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten eine digitale Plattform entwickelt und etabliert werden, die dies leistet. Kooperationspartner im Landkreis Emsland sind die Meppener Hausarztpraxen Dr. Jan Sievert/Dr. Florian Wiegelmann und Dr. Stefan Eilermann sowie der DRK-Wohnpark Meppen-Esterfeld. Im Landkreis Osnabrück sind Partner die Caritas Sozialstation Belm, das Pflegeheim St. Michael (Ostercappeln) sowie die Hausarztpraxen Dr. Martin Tümmers (Belm) und Dr. Heidi Drüge (Bad Essen).

Das Projekt verfolgt parallel verlaufende Zielsetzungen. Zunächst geht es darum, eine digitale Plattform zu entwickeln, die den tatsächlichen Versorgungsprozessen entspricht und auf sie zugeschnitten ist. Die Nutzung digitaler Plattformen könnte an der Schnittstelle des Informationsaustauschs eine erhebliche Weiterentwicklung der derzeitigen Situation leisten. Ziel ist es, den Informationsaustausch zu verbessern, den bürokratischen Aufwand zu verringern, einen Beitrag zur Versorgungskontinuität zu leisten und die Kooperation zwischen Medizin und Pflege in der ambulanten und stationären Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, zu verbessern.

Zudem ist Ziel des Projekts, die medizinische Versorgung für chronisch Erkrankte, hochbetagte und immobile Patienten und Patientinnen durch eine sektorübergreifende Vernetzung von Hausarzt und ambulanter/stationärer Pflege zu verbessern.

Umsetzung des Projekts

Konkret werden die beteiligten Akteure mit einer Technik ausgestattet, die eine datengestützte Kommunikation ermöglicht. Die Hausärzte können über die digitale Plattform eine Aufgabenliste für den Pflegedienst eingeben. Sie können zwischen verschiedenen Vitalparametern, Fragebögen, Schmerzlevel und Fotoaufnahmen auswählen. Im Arbeitsalltag der Pflege wird ein Rucksack verwendet, in dem neben den verschiedenen Geräten, wie z.B. ein Blutdruckmessgerät, auch ein Tablet enthalten ist. Über das Tablet kann sich die Pflegekraft auf die digitale Plattform einwählen und einen Patienten auswählen. Die Aufgabenliste öffnet sich dann automatisch. Die Pflegekraft kann dann Messungen durchführen, die kabellos an ein Tablet und von dort in die Patientendokumentation auf ein gemeinsames Portal übertragen werden, wo sie den Hausärzten zur Verfügung stehen. Der Hausarzt und die Pflegefachkraft müssen somit nicht zeitgleich kommunizieren, die Arbeitsabläufe auf beiden Seiten werden nicht gestört.

Zudem kann die Pflegekraft auch unabhängig von der Aufgabenliste des Hausarztes Messungen durchführen und Beobachtungen festhalten. Auch eine Kommentarfunktion für eine direkte Kommunikation zum Hausarzt ist enthalten.

Zu allen Vitalparametern und den Fragebögen können für jeden Patienten frei definierbare Tendenz- und Limitalarme eingestellt werden. Das bedeutet, dass bei Überschreiten eines Schwellenwertes automatisch eine Information an die zuständige Stelle geleitet wird. Dies ermöglicht dem Hausarzt, eine  auffällige Entwicklung des Gesundheitszustandes des Patienten zu erkennen und präventiv zu handeln. Die verlässliche Sammlung von patientenbezogenen Daten sollen Hausbesuche vorbereiten, Doppelungen und bestenfalls Krisensituationen vermeiden oder in Krisensituationen eine schnelle Entscheidung ermöglichen.

Bislang wurde im Projektzeitraum ein geeigneter Technikanbieter ausfindig gemacht. Die beteiligten Akteure wurden mit der notwendigen Technik ausgestattet und geschult. Seit Dezember 2018 werden die ersten Patientinnen und Patienten über den neuen Versorgungsweg behandelt. Die beteiligten Ärzte sind optimistisch, dass der neue Kommunikationsweg einen Vorteil in der Behandlung der Patienten bietet. Auch die Pflegekräfte sehen auf Dauer eine Arbeitserleichterung und eine Aufwertung ihres Berufs.